
Das Angebot heißt „MB.ChargeHome Pro Intelligent“. Es soll die vollelektrischen Mercedes-Modelle aktiv ins Energiesystem einbinden (Vehicle-to-Grid, V2G). Zum Paket gehören die interoperable bidirektionale DC-Wallbox „ChargeLine BiDi“ von The Mobility House und der Stromtarif „Mercedes-Benz Intelligent Pro Eco“. In der App „Mercedes-Benz Charge Home“sehen Kunden Ladevorgänge, Rückspeisungen und Gutschriften. Voraussetzungen für V2G sind außerdem ein Smart Meter und das Digitale Extra „MB.Charge Home“.
Das Angebot startet in Deutschland mit dem vollelektrischen GLC und der neuen C-Klasse. Der Konzern will es sehr bald auf weitere Modelle ausweiten, darunter VLE, GLA, EQS, CLA, CLA Shooting Brake sowie GLB. Jenach Modell wird die Funktion nach dem Marktstart per Over-the-Air-Update freigeschaltet. Dafür muss das Digitale Extra „Vorrüstung für MB.Charge Home Pro“ aktiviert sein. Später will Mercedes-Benzdas Angebot in weiteren ausgewählten Märkten einführen.
Bezahlt wird jede Stunde, in der das Auto an der Wallbox hängt. Dabei ist egal, ob es gerade lädt, entlädt oder pausiert. Dafür bekommen die Kunden einen Bonus von 11,75 Cent für jede Stunde, in der das Fahrzeug mit der Wallbox verbunden ist. Wer das Auto im Schnitt zwölf Stunden am Tag ansteckt, kommt laut Mercedes auf mehr als 500 Euro Bonus im Jahr. Die Wallbox soll sich so innerhalb von vier Jahren bezahlt machen. Die ersten 500 Kunden zahlen für die Wallbox 1.990 statt 2.990 Euro, wenn sie bis Ende März2027 abschließen. Dazu gibt es einen Gutschein über 250 Euro für öffentliches Laden mit MB.Charge Public.

Die bidirektionale DC-Wallbox leistet 11 kW und ist für den Einsatz zu Hause gedacht. Sie lädt alle E-Autos mit 400- und 800-Volt-Technik und lässt sich per Over-the-Air-Update aktualisieren.Mercedes setzt auf offene Standards wie ISO 15118-20. Das Ziel: Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Energiemanagementsysteme sollen gut zusammenarbeiten.
Laut Mercedes ist es weltweit die erste marktreife Lösung eines Autoherstellers, die auf offenen, standardisierten Technologien basiert. „Bidirektionales Laden ist für uns der nächste konsequente Schritt der Elektromobilität“, sagt Jörg Bartels, Leiter Antriebssysteme der Mercedes-Benz AG. Thomas Raffeiner, CEO von The Mobility House, nennt das E-Auto den „Batteriespeicher der Zukunft“.
Mercedes ist nicht allein auf dem Markt. Als ersterHersteller bot BMW im Februar 2026 zusammen mit E.ON ein kommerzielles V2G-Paket für den iX3 an. Es besteht aus der BMW Wallbox Professional, dem Tarif „ÖkoStrom Home & Drive V2G“ und einem Smart Meter. Zusätzlich arbeitet BMW mit Solarwatt an Vehicle-to-Home. Die Fahrzeuge der Neuen Klasse werden dabei ins Heimenergiemanagement eingebunden. Zum Solarwatt-Ratgeber „Bidirektionales Laden“ hier (PDF).
Renault ist schon länger dabei. In Frankreich arbeiten Renault, Mobilize und The Mobility House Energy bereits seit 2024 erfolgreich am kommerziellen Einsatz von V2G im Alltag. Anders als die deutschen Hersteller setzt Renault auf bidirektionales AC-Laden. Den Wechselrichter hat dort das Auto an Bord, nicht die Wallbox.
Bei Volkswagen können vor allem Konzernmarken bereits V2H: Skoda Enyaq, Elroq und Epiq sowie Cupra Born und Tavascan sind V2H-fähig. Außerdem bauen Ford und BYD bidirektionales Laden ein. Octopus Energy bereitet nach britischem Vorbild ein eigenes V2G-Angebot für Deutschland vor.

Den technischen Rahmen gibt es inzwischen. Seit März 2026 gilt die neue Anwendungsregel VDE-AR-N4105:2026-03. Damit gibt es den verbindlichen technischen Standard dafür, wie bidirektionale Ladestationen sicher ins Niederspannungsnetz einspeisen dürfen. Die Norm verlangt offizielle Einheitenzertifikate für das Gesamtsystem (Fahrzeug + Wallbox). In der Praxis wichtig: das rückspeisende Auto wird netztechnisch wie eine Erzeugungsanlage behandelt und entsprechend angemeldet. Wirtschaftlich hilft die EnWG-Novelle von November 2025. Sie schafft die doppelte Netzentgelt-Belastung ab.
Ein Engpass bleibt der Zähler. Für MB.Charge Home Pro Intelligent braucht man ein Smart Meter, den die Kunden früh beim Messstellenbetreiber anfragen sollten. Es gibt auch den Weg beim Kauf eines kompletten Ökosystems, einen Smart-Meter-Angebot integriert zu haben.
Freie Elektrobetriebe bekommen bei Mercedes nicht automatisch den Auftrag. Laut Mercedes läuft es so: Nach einem erfolgreichen Check bestellt der Kunde die bidirektionale Wallbox, und ein zertifizierter Partner-Installationsservice übernimmt Montage und Anschluss am Stellplatz. Wer solche Anlagen installieren will, sollte sich daher bei The Mobility House nach einer Partnerschafter kundigen.
Viele Kunden haben bereits eine PV-Anlage. Für sie ist eine Einschränkung besonders wichtig: MB.Charge Home Pro Intelligent gibt es aktuell nur für Haushalte ohne Photovoltaikanlage und für Haushalte ohne Eigenverbrauch, deren PV-Anlage den gesamten Strom ins öffentliche Netz einspeist. Sonst würden sie ihre EEG-Vergütungverlieren, weil sich bisher nicht sauber abgrenzen lässt, ob der E-Auto-Akku mit Solar- oder Netzstrom geladen wird.
Das soll sich mit der MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur ändern. Die Behörde hat sie am 1. Oktober 2026 beschlossen. Speicher dürfen danach künftig Solar- und Netzstrom aufnehmen, ohne dass die EEG-Förderung für den zwischengespeicherten Solarstrom wegfällt. Für Kunden mit PV-Anlagen bis 30 kW gibt es eine vereinfachte Pauschaloption.
In der Praxis dauertes aber noch. Bis Ende September 2027 läuft eine Übergangsphase. Bis dahin brauchen Kunden für die MiSpeL-Optionen die Zustimmung von Netz- und Messstellenbetreiber.
Für Haushalte mit PV-Eigenverbrauch kündigt The Mobility House eine eigene Lösung an. Die „Home EnergySolution“ soll künftig die PV-Anlage in die Optimierung einbeziehen, damit Solarstrom für den Eigenverbrauch und das Laden des Autos genutzt wird. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.
home-intelligent.mercedes-benz.com/pro-intelligent


Einfach beitreten:
* Pflichtfeld