Wie geht es den E-Handwerken?

Interview: Konjunkturzahlen zu den Elektrohandwerken

Branchen News
20.4.2026
8 Minuten
Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hat kürzlich seine Konjunkturzahlen präsentiert. Im Interview mit Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, sprechen wir darüber, was sie für Handwerksbetriebe bedeuten.
Porträtbild Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH

watts up-Redaktion: Wir sprechen heute über die ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage. Wenn man sich die Zahlen so anschaut, dann kommt die schwierige wirtschaftliche Lage jetzt auch in den Elektrohandwerken an, oder wie ist die Einschätzung des ZVEH?

Alexander Neuhäuser: Ja, das stimmt. Leider ist eine eher negative Entwicklung zu beobachten. So fällt zum Beispiel unser Geschäftsklimaindex mit 65,6 Punkten quasi auf ein 15-Jahres-Tief. Und das, nachdem wir eigentlich bei der Herbstumfrage 2025 eine leichte Erholung registriert hatten. Dieser Hoffnungsfunke hat sich aber leider nicht bewahrheitet. Wir sehen aktuell eher die Verstetigung der Negativentwicklung. Allerdings, das muss man auch sagen, ohne einen kompletten Abriss, so wie es zum Teil in anderen Branchen sichtbar ist.

Geschäftsklimaindex in den Elektro-Handwerken

watts up-Redaktion: Alexander, da aber dieser Geschäftsklimaindex vielleicht nicht jedem ein Begriff ist, kannst Du den ganz kurz erklären und warum er so wichtig ist?

Alexander: Der Geschäftsklimaindex setzt sich zusammen aus der Bewertung der aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen. Durch die Kombination verschiedener Faktoren versucht man, die Stimmung und die wirtschaftliche Lage in einer Branche abzubilden. Die Erhebung des Geschäftsklimaindex ist ein übliches Verfahren, das volkswirtschaftlich hinterlegt ist.

Wenn man sich den Geschäftsklimaindex der E-Handwerke ansieht, ist zu erkennen, dass es seit 15 Jahren bei uns eigentlich nur bergauf ging. Es gab auch schon Zeiten, da war er noch schlechter als heute. Aber selbst in der Corona-Zeit war er nicht so schlecht wie jetzt. Das heißt, wir sehen aktuell tatsächlich eine Verfestigung der schlechten Situation, obwohl wir von einem Gewerk sprechen, das die Geschäftsfelder der Zukunft bedient. Aber auch das Elektrohandwerk kann sich nicht von der gesamtwirtschaftlichen Lage abkoppeln. Das sehen wir ja leider auch in den tagtäglichen Meldungen zur Wirtschaft.

watts up-Redaktion: Wo siehst Du die Gründe dafür, warum wir mit so einem Bedarf bei den Zukunftsthemen im Elektrohandwerk eigentlich nicht die PS auf die Straße bekommen? Zwischenzeitlich sah es doch gut aus?

Alexander: Aus der Sicht des Elektrohandwerks hat man eine positive Entwicklung, die in die richtige Richtung ging, ohne Not kaputtgemacht. Die E-Handwerke haben die Energiewende-Themen angefasst und die Themen „Elektromobilität“, „Photovoltaik“ sowie „Infrastrukturausbau“ vorangetrieben. Auch das Thema „Wärmepumpen“ ist ein Geschäftsfeld, das im Elektrohandwerk gewachsen ist. Dafür, dass wir jetzt diese Negativentwicklung sehen, gibt es zwei Gründe.

Das ist zum einen die gesamtwirtschaftliche Lage: Wenn es einer Automobilindustrie in Baden-Württemberg nicht gut geht, wenn es einer Chemieindustrie im Osten nicht gut geht, dann fehlen auch Aufträge für das Handwerk. Dann investiert niemand in die elektrische Infrastruktur und Anlagen werden nicht gewartet. Und das schlägt sich auch auf unser Gewerk nieder. Diese Faktoren haben wir auch nur begrenzt im Griff. Das hängt schließlich zum Teil mit der Weltwirtschaft zusammen. Gleichzeitig hat es damit zu tun, dass Maßnahme wie das Investitionspaket noch nicht richtig angekommen sind.

Der zweite Grund ist die Verunsicherung im Bezug auf die Energiewende. Es gab in der letzten Legislaturperiode immer klare Signale, auch an die Investoren, in welche Richtung es geht. Man hatte, auch wenn sie umstritten waren, klare Rahmenbedingungen, die auf Zukunft ausgerichtet waren: auf einen Umbau der elektrischen Infrastruktur, auf mehr Erneuerbare Energien, auf eine Wärmewende. Und diese Themenfelder werden jetzt durch die Bundesregierung abgekündigt. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Stimmungslage der E-Handwerke, aber auch auf Investitionen von Wirtschaft und Verbrauchern.

Das beste Beispiel sind die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes, die ebenfalls für viel Verunsicherungen sorgen dürften. Zusammengenommen sind das, glaube ich, die Hauptfaktoren für die negative Entwicklung: gesamtwirtschaftliche Lage und insbesondere Unklarheit bei der Energiewende.

Auftragsvorlauf hat sich verändert

watts up-Redaktion: Um die Entwicklung einmal an Zahlen eurer Umfrage festzumachen: Wie hat sich jetzt der Auftragsvorlauf verändert?

Alexander: Der Auftragsbestand ist ein ganz wichtiger Indikator dafür, wie es der Branche geht. So haben aktuell 13,7 % der Betriebe einen Auftragsvorlauf gemeldet, der nur zwei Wochen beträgt. Im Frühjahr 2024, also vor zwei Jahren, waren es nur 9,2 %. Das bedeutet. Der Anteil der Betriebe, die lediglich bis zu zwei Wochen Vorlauf haben, steigt. Dafür sieht man bei den Unternehmen mit einem Auftragsvorlauf von über vier Monaten einen deutlichen Rückgang. Im Frühjahr 2024 hatten fast 29 % der Unternehmen solch lange Vorläufe. Heute sind es nur noch 21 %, die diesen gut planbaren Vorlauf besitzen. Nimmt man diese beiden Werte, sieht man: Die kurzfristigen Vorläufe steigen und die langfristigen gehen zurück. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass insgesamt weniger Aufträge im Elektrohandwerk landen.

Dahinter stecken auch langfristige Effekte. So ist es zum Beispiel bei den Baugenehmigung so, dass – wenn diese nicht erteilt sind – in der nächsten Zeit auch nicht gebaut wird, weil der Baubereich immer einen längeren Vorlauf hat. Für die E-Handwerke als nachgelagertes Ausbaugewerk heißt das: Wir wissen heute schon, dass die Konjunktur selbst mit einem Aufschwung im Baubereich nicht sofort wieder anspringen wird, auch wenn es immer noch Hoffnung gibt, dass es Ende 2026 besser wird.

Reaktion der Handwerksbetriebe

watts up-Redaktion: Wie sollten unsere Handwerksbetriebe mit der aktuellen Situation umgehen?

Alexander: Wenn sich die Lage eintrübt, ist es verständlich, wenn ein Betrieb erst mal schaut, welche Geschäftsfelder gut laufen und in welchen er weiter bleiben möchte. Natürlich muss man seine Geschäftsfelder ordnen, sodass man mit den neuen Rahmenbedingungen zurechtkommt.

Grundsätzlich aber glaube ich, dass es richtig ist, an den Zukunftsthemen dranzubleiben. Wir haben einen neuen Beruf geschaffen, den Gebäudesystemintegrator, der auf die Vernetzungsthemen der Zukunft setzt. Bei dem Beruf sagen viele: Da geht es nur um High-End-Gebäudeautomatisierung. Das ist aber gar nicht der Fall. Wir wollen Mut machen, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Dazu gehört ggf. auch, mal zu prüfen, ob im eigenen Unternehmen ein Gebäudesystemintegrator ausgebildet werden kann. Dieser ist dann auch in der Lage, den Unternehmensinhaber zu unterstützen, mehr Vernetzungsaufträge zu übernehmen bzw. das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Wir glauben fest daran, dass die Technologien, die wir im Portfolio haben – also das Thema „Energiemanagement“, die Erneuerbaren, die Elektromobilität – kommen werden. Wir halten es für richtig – und da wollen wir gerne den Betrieben Mut machen –, weiterhin auf diese Themen zu setzen.

watts up-Redaktion: Politische oder wirtschaftliche Unsicherheiten sind sicherlich ungünstige Rahmenbedingungen, die man aktuell nicht schnell drehen kann. Abschließend: Welche Schlüsse zieht ihr als ZVEH aus der Konjunkturumfrage?

Alexander: Für mich ist in allererster Linie zu sagen, dass wir mit den Botschaften zur technologischen Zukunft weitermachen. Das ist das, was wir in den nächsten Wochen und Monaten weiter tun werden. Das ist wichtig, weil es darum gehen wird, negative Effekte durch bestimmte gesetzliche Änderungen abzufedern und die Lage nicht auch noch schlimmer werden zu lassen, als sie ohnehin ist. Daran werden wir als Verband ganz stark arbeiten. Dass die Politik uns aktuell Steine in den Weg legt, bedeutet nicht, dass wir nicht handlungsfähig bleiben und Dinge vorantreiben können. Wir werden versuchen, uns den Optimismus zu erhalten und auf unsere Zukunftsthemen hinweisen. Das ist auch die Schlussfolgerung aus der Konjunktur: Nicht kirre machen lassen, sondern mit Tempo, Engagement und Zuversicht weiterarbeiten.

www.zveh.de

Tipp der Redaktion: Du findest eine ausführlichere Version dieses Interview auch als Podcast der E-Show bei unserem Schwestermedium dem Handwerker Radio.

ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage

Die Zahlen und Hintergründe zu diesem Interview findest Du ebenfalls bei wattsup.de.

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