
Wie lassen sich Wohngebäude schneller, einfacher und günstiger errichten? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 4. Konferenz der IG Infrarot Deutschland am 15. April 2026 in Würzburg. Der Verband positioniert Infrarotheizungen dabei als Alternative zu klassischen wassergeführten Heizsystemen – insbesondere in Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern. Die Referenten und Diskutanten plädierten für eine einfache und bezahlbare technische Gebäudeausrüstung (TGA) und waren sich einig, dass Infrarotheizungen erschwingliche Bauen ermöglichen kann und das E-Handwerk dabei eine Schlüsselrolle spielt.
Ihre 4. Konferenz sieht die Infrarot-Branche als Meilenstein. Standen auf den vorherigen Konferenzen wissenschaftliche Studien im Mittelpunkt, bekam die Branche jetzt viel Rückenwind aus der Politik und der Wohnungswirtschaft sowie von anderen Branchenverbänden.
Als Befürworterin der Infrarottechnik gilt die Landesbauministerin in NRW: Ina Scharrenbach sprach online zugeschaltet das Eröffnungsgrußwort (zum Video). Sie berichtete von einem Neubauprojekt in NRW, wo Infrarottechnik zum Einsatz kommt. Scharrenbach: „Es ist wirklich gelungen mit modernsten Standards hierfür eine aus meiner Sicht sehr bezahlbare Miete zu sorgen, die wir ansonsten im Land Nordrhein-Westfalen bei Neubauten eigentlich nicht sehen, weil wir da häufig schon bei 15 bis 18 Euro sind, aber da ist es gelungen bei 13,50 Euror auszukommen.“ Die Ministerin sprach sie sich ausdrücklich für Technologieoffenheit aus, die sie bei der Infrarotheizung sieht.
Der Bauunternehmer Thomas Gerl, Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern, erläuterte, was er machen würde, wenn er Bundesbauminister wäre: „Wir müssen mit den Kosten runter“. Erfordert bessere steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, darunter eine Sonderabschreibung, KfW-Darlehen und eine Eigenheimzulage. Zugleich sieht er in der TGA einen zentralen Hebel: „Ich würde nicht den ganzen Keller mit Technik vollstopfen.“ An SHK-Betriebe gewandt, sagte er: „Stellen sie zwei Elektriker ein.“

Zum ersten Mal auf einer Infrarot-Tagung fand eine Podiumsdiskussion statt – lebendig, konstruktiv und mit aktiven Mitmach-Publikum.
René Ebert von der Geschäftsleitung VdZ betonte: „Wenn schneller und günstiger gebaut werden soll, muss nicht nur über Material- und Finanzierungskosten gesprochen werden, sondern auch über Komplexität, Schnittstellen und Umsetzbarkeit. Und weiter: „Deshalb brauchen wir vor allem Gebäudetechnik, die einfacher planbar, schneller montierbar und im Betrieb beherrschbar ist.“
Kerstin Stratmann, Geschäftsführerin vom Fachverband Gebäudeenergie ZVEI, plädierte für den Blick auf das gesamte Energiesystem im Gebäude: „ Wenn wir über bezahlbares Bauen und Wohnen sprechen, ist Planungssicherheit der entscheidende Hebel. Technologisch geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um das intelligente Zusammenspiel aller strombasierten Technologien im Gebäude: Wärmepumpe, Infrarotheizung kombiniert mit Photovoltaik, Heimspeicher, Lüftung und Energiemanagement.“
Prof. Dr. Ing. Bert Oschatz vom ITG Dresden appellierte: „Um zu bezahlbarem Bauen zu kommen, müssen wir insgesamt einen Schritt zurückgehen. Wir sollten robustere technische Lösungen umsetzen, die günstige Investitionen mit wenig Wartungsaufwand verbinden und geringe Gesamtkosten verursachen.“
Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der Fachzeitschrift "photovoltaik", rückte den solarelektrischen Ansatz in den Vordergrund. Als Vorteile der Infrarotheizung nannte er die Enttechnisierung und die Reduktion auf ein Gewerk, das Elektrohandwerk.
Am Konferenznachmittag stellten Architekten, Infrarot-Hersteller und Bauunternehmer Referenzen aus dem Neubau und Bestand vor und belegten mit Zahlen die Wirtschaftlichkeit. Vorgestellt wurde u. a. anderem ein modulares Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in Wuppertal. Das Gebäude setzt auf Infrarotheizungen, Photovoltaik und Batteriespeicher. Laut Projektverantwortlichen lagen die Investitionskosten deutlich unter einer vergleichbaren Lösung mit Wärmepumpe und Fußbodenheizung.
Im Bestand wurden Sanierungsprojekte präsentiert, bei denen Infrarotheizungen mit Lüftungssystemen und PV-Anlagen kombiniert wurden. Darüber hinaus zeigten die Referenten hybride Konzepte, bei denen Wärmepumpen und Infrarotheizungen gemeinsam eingesetzt werden.
Die IG Infrarot Deutschland sieht insbesondere im Zusammenspiel aus Photovoltaik, Stromspeicher und elektrischen Heizsystemen Potenzial für wirtschaftliche Gebäudekonzepte mit geringerer technischer Komplexität.

Das Fazit der Konferenz zog IG Infrarot-Vorstand der Unternehmer Uwe Lucht (www.lucht-lhz.de): „Die Konferenz hat gezeigt, dass die Infrarotheiztechnik unter anderem durch die einfache, platzsparende Technik, die Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zur Alleinbeheizung aber auch im Hybridsystem punktet. Das ist nun auch in anderen Branchen angekommen.“
Die nächsten Termine der Infrarotbranche stehen bereits fest: Der 7. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche und die 5. Konferenz der IG Infrarot Deutschland finden am 14. und 15. April 2027, erneut im Hotel Rebstock in Würzburg, statt.

Solid.Modulbau: Mehrfamilienhaus in Wuppertal
www.solid-modulbau.de/projekte/wuppertal-56-wohneinheiten-mit-tiefgarage/
Fries Architekten: Westerwälder Hof
fries-architekten.de/portfolio/westerwaelderhofwelschneudorf-2/
Vasner: Wohnquartier für Geflüchtete in Karlstadt
www.vasner.com/de/bau-eines-wohnquartiers-mit-infrarot-heizsystem-vasner/
Vasner: Umbau einer alten Lederfabrik zum modernen Wohnquartier
www.vasner.com/de/lederfabrik-umbau-wohnanlage-mit-vasner-infrarot-heizsystem/
Redwell: Sanierung eines Hauses von 1920 zum Studentenwohnheim
www.bauen-energie.info/aktuelle_projekte/klimapaket-in-vallendar/
Etherma: Sanierung in Mönchengladbach
www.etherma.com/de/service-2/referenzen#1064-83848-83849


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