Batteriespeicher auf dem Oktoberfest

E’zapft is! – und der Strom bleibt an: Wie Großspeicher die Wiesn retten

Energie
18.9.2026
4 Minuten
Wenn 10.000 Menschen im Festzelt schunkeln, die Küche auf Hochtouren Haxn und Hendl brät wird's eng – nicht am Tresen, sondern im Stromnetz. Auf dem Oktoberfest 2026 sorgen große Strom-Großspeicher dafür, dass kein Wirt im Dunkeln steht. Elektromeister Matthias Poeting sichert den diesjährigen Betrieb der großen Festzelte von Pschorr-Bräurosl und Löwenbräu mit drei Gewerbe-Batterien von Testvolt ab.
Testvolt Forton Batteriespeicher

Das Zelt ist brechend voll, die Stimmung kocht – und dann geht das Licht aus. Kein Witz, sondern bittere Realität auf dem Oktoberfest 2025. Im Löwenbräu-Zelt ging gleich zweimal komplett das Licht aus, im Pschorr-Bräurosl-Zelt erwischte es die Wirte einmal mitten im laufenden Betrieb. Der Grund: Ein großes Festzelt bekommt von den Stadtwerken München eine Anschlussleistung von rund 420 kW – der reale Bedarf schießt in Spitzenzeiten aber auf weit über 500 kW hoch.

Zwei Stunden sicher überbrückt

„Ein Stromausfall im voll besetzten Zelt ist der absolute Albtraum für jeden Wirt. Bisher konnten wir bei einer Überlastung des Netzanschlusses innerhalb von fünf Minuten kaum so reagieren, dass das Zelt nicht ausfällt“, erklärt Matthias Poeting, Geschäftsführer von MP Elektrotechnik München. Der Fachbetrieb für Elektro-, Netzwerk- und Veranstaltungstechnik ist seit Jahren für die Elektrik mehrerer großer Wiesnzelte verantwortlich ist.

Drei Großspeicher von Testvolt zur Lastspitzenkappung auf dem Volksfest wurden im Vorfeld angeliefert. Poeting: „Dieses Jahr haben wir durch die Batteriespeicher einen Puffer von zwei Stunden. Das gibt mir jetzt einfach ein bisschen Luft, ich kann mit den Leuten in der Küche sprechen,wir können Geräte gezielt runterfahren und die Last reduzieren – das ist einwahnsinniger Vorteil für die Betriebssicherheit.“

Warum die Wiesn plötzlich so viel Strom frisst

Seit dem Ukrainekrieg und der Gaspreisexplosion 2022 lohnt sich der Umstieg auf elektrische Küchen für die Wiesnwirte gleich doppelt: Gas wurde teurer, und gleichzeitig verschärfte die Stadt München die Abgasvorgaben für Gasgeräte. Da mittlerweile selbst kleine Buden aufwendige Regelungen bei der Nutzung von Gas befolgen müssen, sparen Wirte durch den Wechsel auf rein elektrische Küchen einiges an Kosten für teure Abgasführungen und Messstrecken bei Gastechnik.

Dazu kommt: Allein die Heizstrahler in den Außenbereichen benötigen mittlerweile teilweise um die 150 kW proZelt. Wenn's draußen kühler wird, steigen die Lastspitzen stark an, weil die Heizpilze dann sehr viel Strom brauchen. Dieser kommt nun dezentral aus den Batteriespeichersystemen von Testvolt und entlastet den Netzanschluss der Zelte.

Die Zelt-Wirte sahen eigentlich die Stadt München in der Pflicht, für ausreichend Strom zu sorgen – doch die physikalischen Grenzen des Netzes sind erreicht. Ein klassischer Ausbau der Netzinfrastruktur sei auf dem Festgelände kaum realisierbar. Die umliegenden Trafostationen arbeiten während der Wiesn am Limit, und eine Erweiterung der Mittelspannung sowie der Niederspannungshauptverteiler (NSHV) stünde wirtschaftlich und logistisch in keinem Verhältnis.

Markus Borke, Area Manager bei Testvolt (links), und Matthias Poeting, Geschäftsführer von MP Elektrotechnik München, bei der Installation der Gewerbespeicher auf der Festwiese. Quelle Testvolt

Testvolt Forton-Großspeicher als Puffer

Das Wittenberger Unternehmen Testvolt setzt mit den Forton-Großspeichern auf modernste Hochtemperaturzellen, die die Speicher sehr belastbar und langlebig machen. Ein weiterer Vorteil auf dem engen Festgelände: Die Technologie kommt ohne Flüssigkeitskühlung aus – das spart Platz und verzichtetkomplett auf umweltgefährdende Kühlstoffe.

„Die Investition in die Batteriespeicher ist vom Umfang her deutlich geringer als ein tiefgreifender Umbau der Trafostationen und der Netze vor Ort“, erklärt Elektromeister Matthias Poeting. „Ein solcher Speicher amortisiert sich in der Praxis voraussichtlich schon nach zwei bis drei Jahren. Außerdem nehmen die Systeme wenig Platz weg – und wenn die Last in den kommenden Jahren noch größer wird, dann erweitern wir das Batteriesystem einfach und fertig.“

Keine Stromausfälle mehr: Zwei Testvolt Forton Batteriespeicherkappen Lastspitzen im Pschorr-Bräurosl Festzelt auf dem Oktoberfest. QuelleTestvolt

Die Wiesn geht noch grüner!

„Niemand kann genau sagen, wie die Energie-Infrastruktur der Wiesn in fünf oder zehn Jahren aussieht. Es wäre doch ziemlich klug, auch die Abwärme der Zelte zu nutzen oder den Wind und vielleicht gibt es ja mal Solarmodulfolien auf den Zeltdächern“,so Poeting. „Warum sollten wir also das Netz mit gigantischem Aufwand ausbauen, wenn intelligente Speichertechnologie die viel preiswertere Lösung bietet und total flexibel auf die künftige Energiesituation reagieren kann. Auch die Wiesnwirte sind sehr offen für intelligente, grüne Energiesysteme.“

Das 191. Oktoberfest findet vom 19. September bis zum 4.Oktober 2026 auf der Theresienwiese in München statt.

www.tesvolt.com/de

Ein Volksfest mit dem Strombedarf einer Kleinstadt

Der Stromverbrauch des gesamten Oktoberfests entspricht dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 21.000 Einwohnern – Tendenz steigend. Allein ein einzelnes Festzelt kommt pro Wiesn auf rund 200.000 kWh. Rund 70 Prozent davon gehen auf die Großküche zurück, die zu Spitzenzeiten knapp 8.000 Gäste mit Schweinsbraten und Wiesenhendl versorgen muss. Der Rest entfällt auf Beleuchtung und Heizpilze, die wegen der Brandgefahr elektrisch betrieben werden.

Ein Kunde von MP Energietechnik ist das  Löwenbräu Festzelt. Quelle MP Energietechnik

Das Problem dabei: Ein klassisches Lastmanagement – also das zeitliche Verteilen der Stromlasten über den Tag – funktioniert im Festzelt schlicht nicht. Industriespülmaschinen sowie Grill- und Kochgeräte müssen fast permanent laufen. Verbrauchsspitzen von über 700 kW sind keine Seltenheit.

Zum Use Case von Testvolt „Lastspitzenkappung auf dem Oktoberfest“ (PDF)

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