
Die SMA Solar Technology AG aus Niestetal hat das erste Zertifikat nach dem VDE FNN-Hinweis „Technische Anforderungen an Netzbildende Eigenschaften inklusive der Bereitstellung von Momentanreserve" erhalten. Es gilt für die Batterie-Wechselrichterplattform Sunny Central Storage UP-S und bestätigt, dass sie die Anforderungen der Version 2.1 erfüllt. Zusammen mit dem zugehörigenZertifizierungsrahmen gibt es damit erstmals einen einheitlichen Weg, solche Technik zu prüfen und zu zertifizieren.
Die Version 2.1 ist erst seit Anfang des Jahres verfügbar. Der VDE FNN hat sie zum Start des Momentanreserve-Marktes im Januar 2026vorgelegt. Neu darin sind vor allem Regeln zur Anlagenzertifizierung und zum gesamten Netzanschlussprozess netzbildender Anlagen. Hier zum PDF.
Wenn im Stromnetz plötzlich Erzeugung und Verbrauch nicht mehr zusammenpassen, z. B. weil ein großes Kraftwerk ausfällt, ändert sich die Netzfrequenz. Momentanreserve fängt diese Schwankung sofort und ohne Verzögerung ab. Sie wirkt in einem Zeitfenster von wenigen Millisekunden bis etwa 30 Sekunden, also bevor die Primärregelleistung einsetzt.
Bisher kam diese Netzstabilität von selbst auskonventionellen Kraftwerken. Dort drehen sich Turbinen, Wellen und Generatoren als riesige Schwungmassen. Durch ihre Trägheit ändert sich die Frequenz bei Störungen nur langsam. Je mehr diese Kraftwerke vom Netz gehen, desto weniger Schwungmasse ist vorhanden. Diese Aufgabe muss künftig die Leistungselektronik übernehmen, über die PV-Anlagen, Windräder und Speicher ans Netz angeschlossen sind. Dafür braucht es netzbildende Wechselrichter, die als „synthetischeSchwungmasse" arbeiten. Herkömmliche, netzfolgende Wechselrichter richten sich dagegen nur nach der vorhandenen Netzspannung und können das nicht.
Weil Kraftwerke die Momentanreserve schon durch ihre Bauart lieferten, wurde sie nie bezahlt. Netzbildende Wechselrichter verursachen aber zusätzliche Kosten. Damit Betreiber diese tragen, kaufen die Übertragungsnetzbetreiber die Momentanreserve seit dem 22. Januar 2026 über einen Markt ein. Den Rahmen dafür hat die Bundesnetzagentur im April 2025 festgelegt, er gilt bis Ende 2031. Vergleichbar mit dem EEG: So wie die feste Einspeisevergütung damals die Photovoltaik in den Markt gebracht hat, sollen feste Preise jetzt netzbildende Technik verbreiten.
Ausschreibungen mit Bieterwettbewerb gibt es nicht. Die Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen stattdessen Festpreise für bestimmteZeiträume. Anbieter wählen eine Vertragslaufzeit zwischen zwei und zehn Jahren und behalten den Preis über die gesamte Laufzeit. Das macht Speicherprojekte besser kalkulierbar. Erstmals dürfen damit auch Batteriespeicher und andere Anlagen mit Wechselrichtern mitmachen. Voraussetzung ist ein Zertifikat oder Gutachten nach dem FNN-Hinweis, das spätestens bei der Angebotsabgabe vorliegenmuss.
Für Projektentwickler und unabhängige Stromerzeuger eröffnet eine zertifizierte netzbildende Technologie neue Möglichkeiten, zusätzliche Erlöse durch Momentanreserve und weitere Stabilitätsdienstleistungen zu erzielen. Energieversorger können Batteriespeicher bereits heute auf zukünftige Anforderungen auslegen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen.

Die Zertifizierung baut auf bisherigen Schritten auf: 2025 bekam SMA das erste Einheitenzertifikat für netzbildende Batterie-Wechselrichter nach den deutschen VDE-AR-N-Anwendungsregeln. Seitdem läuft die Technik im Alltagsbetrieb, und zwar in den schottischen Projekten Blackhillock und Kilmarnock sowie im Batteriespeicher Föhren in Rheinland-Pfalz. Föhren ging im Oktober 2025 in Betrieb und war laut SMA der erste Batteriespeicher mit netzbildendenFunktionen auf dem europäischen Festland.
„Die Energiewende erreicht eine neue Phase, in der Batteriespeicher zunehmend Aufgaben für die Netzstabilität übernehmen", sagt Olaf Heyden, COO von SMA. „Projekte wie Blackhillock und Föhren haben bereits gezeigt, welchen Beitrag Batteriespeicher mit netzbildenden Wechselrichtern zur Stabilität des Stromsystems leisten können,“ so Daniel Duckwitz, Specialist Grid Stability bei SMA. „Mit dieser Zertifizierung schaffen wir die Voraussetzung, diese Fähigkeiten künftig auch im deutschen Markt für Momentanreserve einzusetzen. Das gibt Projektentwicklern, Energieversorgern und Netzbetreibern mehr Sicherheit bei der Planung und Umsetzung zukünftiger Speicherprojekte.“


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