Pilotprojekt „OctoFlexBW“ von TransnetBW und Octopus Energy

Elektrofahrzeuge unterstützen Netzstabilität

Energie
30.3.2026
5 Minuten
Beim Pilotprojekt „OctoFlexBW“ haben die Partner TransnetBW und Octopus Energy erfolgreich alle End-to-End-Prozesse für die Bereitstellung von Redispatch aus Elektrofahrzeugen erprobt– und zeigen damit, wie E-Mobilität aktiv zur Netzstabilität beitragen kann. Mehr als 700 Elektrofahrzeuge aus Privathaushalten wurden dabei als flexible Ressourcen eingesetzt.
Pilot-Projekt "OctoFlexBW"

Das Einbinden von Elektroautos aus Privathaushalten zeigte, dass die marktbasierte Lösung für Engpässe im Stromnetz zuverlässig funktioniert. Sie sei jetzt bereit für den breiten Einsatz. „Nun gilt es, das bestehende kostenbasierte Redispatch-Regime auf Basis der Erkenntnisse aus dem OctoFlexBW-Projekt um eine marktbasierte Komponente, also ‚Redispatch3.0‘, für dezentrale Flexibilität zu erweitern“, sagt Dr. Oliver Strangfeld, Mitglied der Geschäftsführung vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW.

Wieder mehr E-Fahrzeuge unterwegs

Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs hat laut TransnetBW im Jahr 2025 wieder an Dynamik gewonnen. So stiegen die Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43,2 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtzulassungsvolumen betrug im Jahr 2025 19,1 Prozent. Damit steigt auch das „Eh-da-Potenzial“ - also Kapazitäten, die bereits vorhanden sind - dezentraler Flexibilität aus Elektrofahrzeugen.

E-Autos als flexible Energiespeicher

Mit einer Flotte von 700 Elektrofahrzeugen konnte das Projekt bereits eine tägliche Abrufmenge von 2 MWh realisieren – hochgerechnet auf eine Million Elektrofahrzeuge entspräche dies einer Kapazität von 3 GWh pro Tag. Die Auswertung zeigt: Bereits eine Million Elektrofahrzeuge können durch intelligente Steuerung jährlich bis zu 0,5 Terawattstunden Energie für das Stromnetz bereitstellen und damit drei bis fünf Prozent des gesamten jährlichen Redispatch-Bedarfs in Deutschland kostengünstig decken.

Dezentrale Flexibilität durch Wärmepumpen, Speicher und Klimatechnik

Auch weitere dezentrale Flexibilitätspotenziale, wie beispielsweise aus Wärmepumpen, Heimspeichern und Klimatechnik, können in Zukunft einen signifikanten Beitrag zum Netzengpassmanagement leisten. Nun gelte es, dieses Potenzial netzdienlich zu nutzen, um perspektivisch die Redispatch-Kosten zu senken und gleichzeitig Treibhausgasemissionen zu vermeiden, da weniger fossile Kraftwerke hochgefahren werden müssen.

„Verbraucher sind heute schon der größte Treiber der Elektrifizierung in Deutschland. Jetzt haben wir die Wahl: Entweder bezahlen die Verbraucher den teuren Redispatch. Oder sie stellen ihre Flexibilität zur Verfügung und lassen sich bezahlen. Wenn wir Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Speicher intelligent einbinden, entlasten wir nicht nur das System, sondern schaffen einen echten finanziellen Anreiz für die Menschen. Zusammen mit TransnetBW haben wir gezeigt, dass das keine Zukunftsmusik ist. Wir können solche Lösungen hier und heute implementieren. Alles, was wir dafür brauchen,ist eine freie Bahn in der Regulatorik und ein Smart Meter in jedem Haushalt”, erklärt Bastian Gierull, deutscher CEO von Octopus Energy.

Hohe Akzeptanz bei E-Autofahrern

Die Rückmeldungen der teilnehmenden E-Autofahrer aus privaten Haushalten seien durchweg positiv, so der Übertragungsnetzbetreiber. Im OctoFlexBW-Projekt zeigte sich, dass die meisten Kunden die netzdienliche Steuerung gar nicht bemerkt haben. Sie konnten jederzeit angeben, wann ihr E-Auto wieder geladen sein sollte, und mussten so keine Komforteinbußen hinnehmen.

Mit dem Tarif „Intelligent Octopus“ profitierten sie von günstigeren Ladepreisen. Die Kombination aus günstigem Laden und Unterstützung des heimischen Stromnetzes stieße auch bei E-Mobilisten, die Octopus Energy bisher noch nicht kannten, auf großes Interesse, so der Anbieter. Viele hätten sich proaktiv erkundigt und seien während der Projektphase auf den Tarif gewechselt.

Wie lief das Projekt OctoFlexBW ab?

Octopus Energy plant die Ladevorgänge seiner Kunden so, dass die Batterie am Morgen ausreichend geladen ist und der Ladevorgang möglichst günstig erfolgt. Zusätzlich wird das Verschiebepotenzial mithilfe der IT-Plattform KrakenFlex ermittelt. Diese sendet die aggregierten Informationen an die TransnetBW-Plattform DA/RE („DAtenaustausch/REdispatch“). Im Falle einer prognostizierten Netzüberlastung stellte die Systemführung von TransnetBW über DA/RE ein entsprechendes Abrufsignal zur Verfügung. KrakenFlex übersetzte dieses Signal in eine angepasste Ladestrategie und nutzte es zur Koordination der angeschlossenen Elektrofahrzeuge.

Die verbindlich von Octopus Energy abgerufenen Kapazitäten bzw. Lastverschiebungen dienten somit der Netzstabilität, während die Kundinnen und Kunden von günstigeren Stromkosten für das Laden ihres Elektrofahrzeugs profitierten. Die sehr schnelle Umsetzung dieser komplexen Prozesskette, die von der Wallbox in der heimischen Garage bis in die Systemführung von TransnetBW reicht, wurde durch die Kopplung der beiden IT-Plattformen DA/RE und KrakenFlex ermöglicht.

Im Rahmen von OctoFlexBW wurden alle End-to-End-Prozesse vollständig aufgebaut, getestet, integriert und automatisiert. Auch die Bilanzierung wurde erfolgreich getestet. Die Steuerung der Ladevorgänge funktionierte zuverlässig und alle Fahrzeuge stellten im Bedarfsfall die angeforderte Flexibilität bereit.

Es geht weiter mit „DataFleX“

Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird im Forschungsprojekt „DataFleX“ fortgesetzt. Dabei werden weit über 1.000 Elektrofahrzeuge zur Bereitstellung von Flexibilität angeschlossen und in die Bilanzierung integriert. Auch Heimspeicher werden in das Projekt integriert.

www.transnetbw.de

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