
watt up-Redaktion: Unser Interviewpartner ist heute ein Experte aus der Elektrotechnik, Dominik Tietz. Er ist Elektrotechnikermeister und Inhaber von Elektrotechnik Tietz in Rheinland-Pfalz. Stelle deinen Betrieb bitte kurz vor?
Dominik Tietz: Gerne, wir sind ein kleiner Elektrobetrieb mit sechs Mitarbeitern. Bei uns ist alles grün verrückt und wir sind damit auch stark auf Instagram (@elektrotechnik.tietz) unterwegs. Technisch haben wir uns auf KNX und auf E-Mobilität spezialisiert. Und mit Blick auf das Thema E-Mobilität: Wir befassen uns mit dem Thema schon seit 2020. 2021 haben wir mit dem ersten vollelektrischen Betriebsfahrzeug angefangen und sind da bis heute Feuer und Flamme.
watts up-Redaktion: Also smarte Gebäudetechnik ist das eine Thema, Elektromobilität das andere. Wie viel Erfahrung habt ihr mit Elektrofahrzeugen gesammelt und habt ihr aktuell auch eines im Einsatz?
Dominik: Also aktuell haben wir leider nur noch eines; wir hatten aber auch schon mal drei im Einsatz. Das ist aktuell so ein bisschen der Fluktuation geschuldet. Also, wir hatten tatsächlich anfangs einen Smart, so als „Hinterherfahr“-Fahrzeug. Dann setzten wir einen e-Crafter ein, mit dem wir zufrieden waren. Auch wenn er nur eine Reichweite von knapp 100 bis 120 km hatte, und mir jeder sagte: „Oh Gott, das ist ja kein Fahrzeug“. Wir hatten aber meistens 60 km noch in der Batterie, wenn wir jetzt zurückgekommen sind, denn wir arbeiten hier sehr viel um den Kirchturm und dann brauche ich keine 500 km Reichweite.
Und meinen ID.Buzz, den man z.B. häufig bei Instagram sieht, den fahre ich bis heute. Da habe ich mir auch zum Jahreswechsel schon einen neuen bestellt, weil das Leasing ausläuft. Ich kriege jetzt im Juni die neuere Version, denn wir wollten auch weiterhin einen Großen haben.
Leider hatten wir jetzt mit unserem neuen Crafter etwas Theater. Also eigentlich nichts gegen VW, aber das fand ich ein bisschen schade, wenn dann die Bord-Batterie nicht geladen ist und das Auto deshalb nicht startet. Man denkt ja, das passiert bei einem E-Auto nicht.
Klar, wenn die Batterie nicht geladen ist, siehst du das auch, aber dass diese 12 V-Bordbatterie leer ist und man da irgendwo steht und abgeschleppt werden muss, ist dann schon echt uncool.
watts up-Redaktion: Wie sind denn grundsätzlich deine Erfahrungswerte, was die Praxistauglichkeit von E‑Fahrzeugen im Handwerk betrifft?
Dominik: Also ich bin absolut begeistert davon. Der ID.Buzz ist ein Top-Fahrzeug. Sieht auch toll aus. Wir haben ihn natürlich so gestaltet, wie wir ihn gerne hätten – grün. Der Smart war ein super „Beifahr“-Fahrzeug. Also klein und elektro-verrückt. Und damals hatte ja wirklich noch keiner ein Elektro-Auto. Und auch der e-Crafter war, wie gesagt, einfach eine tolle Erfahrung und ich kann da nichts Schlechtes drüber sagen. Okay, blöd, wenn die Batterie da mal leer ist, aber bei einem leeren Tank, fährt ein Verbrenner auch nicht. Das Tanken geht dann vielleicht etwas schneller, aber mittlerweile hat man dieses Ladeproblem auch in den Griff bekommen. Anfangs gab es ja allein für dieses Fahrzeug zahlreiche verschiedene Ladekarten. Und dann ging das mit der Karte aber nicht usw. Ach, das war ja grauenhaft am Anfang. Aber mittlerweile haben wir eine DKV-Tankkarte. Die halte ich, egal wo in Europa, irgendwo an einer Ladesäule und dann lade ich. Egal welches Auto.
watts up-Redaktion: Wie habt ihr das nach Feierabend mit dem Laden der Servicefahrzeuge gemacht?
Dominik: Die Autos wurden immer am Firmensitz geladen. Bei uns nimmt eigentlich außer mir keiner sein Fahrzeug mit nach Hause. Das heißt, die standen dann immer abends am Firmengebäude. Damals hatten wir leider auch noch keine PV-Anlage, also konnten wir da tatsächlich auch die Sonne noch nicht nutzen. Das haben wir mittlerweile geändert. Also das bedeutet, meinen ID.Buzz kann ich jetzt auch immer mit Sonnenenergie laden. Das ist natürlich dann optimal und macht Freude, wenn man dann sagen kann, jetzt ist es gerade günstig.
Wir haben jetzt insgesamt, privat fahre ich auch noch Elektro, locker 100.000 Elektrokilometer schon hinter uns. Also, das war gar kein Problem. Der ID.Buzz hat jetzt ca. 40.000 km, ich glaube, der e-Crafter hatte ca. 20.000 oder so. Der Smart war ähnlich viel gelaufen und mein Audi steht bei ca. 40.000 km.
Ich glaube, das Ganze, ob jemand auf Verbrenner oder Elektro setzt, ist mehr eine Prinzipiensache. Wenn einer das nicht will, dann will er es auch nicht. Und ich möchte da auch keinen mehr überreden. Also ich persönlich bekomme nichts anderes mehr. Auch privat werde ich zukünftig nur noch Elektro fahren. Ich bin davon überzeugt.

watts up-Redaktion: Vielleicht noch eine Frage zu eurer Infrastruktur. Eine PV-Anlage habt ihr. Setzt ihr auch einen Pufferspeicher ein, so dass ihr über Nacht tatsächlich dann auch eigenen Strom laden könnt?
Dominik: Nein, tatsächlich haben wir aktuell keinen Pufferspeicher. Der ist jetzt aber für dieses Jahr als Investition geplant. Da mein Fahrzeug aktuell über Nacht nicht in der Firma stand, sondern bei mir zu Hause, hätte der Speicher bei der Firma auch nicht viel gebracht.
Übrigens nutze ich den ID.Buzz auch normal im Arbeitsalltag, der ist voll ausgestattet und hat ein Werkstattsystem hinten drin. Also wenn ich dann selber auf der Baustelle bin, dann fahre ich damit und habe alles dabei.
watts up-Redaktion: Du hast so ein paar Hürden vorher angesprochen, die sich in den letzten Jahren verbessert haben – z.B. bei der Ladesäulen-Thematik. Was fehlt noch, damit Elektromobilität zum Standard als Betriebsfahrzeug wird? Wo liegen aktuell noch die größten Hürden?
Dominik: Tatsächlich glaube ich, die größte Hürde ist der Kopf in Deutschland. Immer dieses: Das ist alles schlecht, wir wollen alle weiterhin Verbrenner fahren. Es ist sehr, sehr, sehr viel Überzeugungsarbeit nötig, so wie ich das die letzten Jahre feststelle. Ich sage immer, so ein E-Auto im Firmenkontext muss einfach zum Betrieb passen. Wenn du unzählige Kilometer fährst, dann ist ein Elektromobil wahrscheinlich das falsche Fahrzeug. Aber ansonsten ist das eine sehr, sehr gute Angelegenheit. Es hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren, ein großes Umdenken ist schon passiert – und auch im privaten Kontext.
watts up-Redaktion: Du musstest zurückgehen von drei Elektroautos auf ein E-Fahrzeug. Trotzdem, du bist ein Fürsprecher der Elektromobilität. Hast du vor, in Zukunft deinen Betrieb wieder weiter zu elektrisieren, wenn es die Möglichkeit gibt?
Dominik: Auf Fall. Wir sind dran, als Nächstes vielleicht wieder einen kleinen Wagen zu holen. Ein Renault R5 steht momentan hoch im Kurs. Als kleines Retro-Fahrzeug und dann in unserem ikonischen Firmendesign – ich glaube, das könnte eine ganz coole Sache werden. So wie der ID.Buzz auch. Wie gesagt, ich habe gerade einen neuen nachbestellt. Vielleicht gibt es auch einen E-Crafter II, wenn der noch etwas alltagstauglicher geworden ist.
watts up-Redaktion: Was würdest Du einem Betrieb zum Schluss empfehlen, wenn er tatsächlich jetzt überlegt, auf E-Mobilität umzusteigen?
Dominik: Man sollte sich genau informieren, wie groß die Laderäume sind. Das ist ein Thema und noch ein kleiner Knackpunkt. Durch den Platzbedarf der Batterien sind oft die Laderäume etwas kleiner als bei Verbrennermodellen. Man sollte sich schon mit den E-Fahrzeugen vorher etwas genauer auseinandersetzen und ob sie zu einem wirklich passen.
www.e-tietz.de


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